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Teufel. Dieser Name ist entstanden aus dem griechischen diabolos, das „Verleumder“ bedeutet und Übersetzung des hebräischen Satan ist, das zunächst „Widersacher“, „Ankläger“ heißt. Er ist nach biblischer Lehre ein überirdisches Wesen, in dem das Böse seine wahre Verkörperung gefunden hat; er heißt daher geradezu „der Böse“. Matth. 13, 19; Eph. 6, 16; 1Joh. 2, 13; 1Joh. 5, 18; Luther: „der Arge“ oder „der Bösewicht“, vielleicht auch noch an anderen Stellen, wo man zwischen der Übersetzung „das Böse“ oder „der Böse“ die Wahl hat: Matth. 5, 37 (ist vom Bösen?); Matth. 6, 13 (erlöse uns von dem Bösen?); Matth. 13, 38 (das Unkraut sind die Kinder des Bösen?); Joh. 17, 15 (dass du sie bewahrest von dem Bösen?); 2Thes. 3, 3 (bewahren vor dem Bösen?); 1Joh. 3, 12 (Kain, der von dem Bösen war?); 1Joh. 5, 19 (die Welt liegt im Bösen?).
Er ist im Alten Testament selten genannt, nur Hiob 1, 6ff.; Hiob 2, 1ff: Sach. 3, 1ff.; 1Chr. 21, 1. Da diese drei Schriften zu den späteren des Alten Testaments gehören, so liegt der Gedanke nahe, dass erst das durch den Verlauf der Offenbarungsgeschichte geschärfte Geistesauge die Wirksamkeit „des Bösen“ durchschaute. Dass aber die Lehre vom Teufel aus der persischen Religion, die dem guten Gott Ormuzd einen bösen, Ahriman, gegenüberstellt, entlehnt sei, ist nicht anzunehmen, denn der Satan ist kein „Gott“, sondern trotz all seiner Feindschaft Gott unterworfen und dienstbar, und die Frommen zur Zeit der Gefangenschaft und der Rückkehr waren am allerwenigsten geneigt, in religiösen Dingen etwas von Heiden anzunehmen, auch nicht von ihren Befreiern. Jesus und die Apostel aber haben die Lehre vom Teufel bestätigt, geläutert und vertieft.
1) Sein Wesen. Der Satan erscheint in der Stelle Hi. 1 und 2 unter den Söhnen Gottes, das heißt den Engeln, vor Gott. Wenn nun auch manches von dem hier Erzählten als dichterische Einkleidung anzusehen ist, so bleibt doch das als fester Kern bestehen, dass er eigentlich mit den Engeln gleichen Wesens ist, ein gefallener, von Gott abgefallener Engel. Allerdings redet ausdrücklich von sündigenden Engeln nur die Stelle 2Petr. 2, 4 und Jud. 6, mit Beziehung auf die dunkle alttestamentliche Erzählung von den Söhnen Gottes, die zu den Menschentöchtern kamen und mit ihnen „Gewaltige“ erzeugten (1Mos. 6, 1–4). Doch vergleiche 1Kor. 6, 3; 1Kor. 15, 24; Kol. 2, 15 (dagegen gehören nicht hierher die Stellen Hiob 4, 18 und Hiob 15, 15). Die Macht, die Satan zugeschrieben wird, entspricht denn auch dem, was über die Macht und Stellung der Engel sonst gelehrt wird (vergleiche unten). Und überhaupt ist es ja undenkbar, dass in der guten Welt Gottes ein von Hause aus böses Wesen sich gefunden habe. Über den Fall des Satans selbst sagt die Schrift uns nichts, weder aus welchen Beweggründen, noch wann derselbe geschehen ist, nur das erfahren wir, dass beim Beginn der Menschheitsgeschichte derselbe schon geschehen war. Seither sündigt der Satan, 1Joh. 3, 8. Und zwar ist er mit dem Bösen so innerlich eins geworden, dass er seine Freude im Böse tun sucht (freilich vergeblich), und „wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen“ (Joh. 8, 44). Das Gute hasst er von Grund aus und darum ist er auch der Feind Gottes als des Urquells alles Guten (Matth. 13, 28. Matth. 13, 39).
— 2) Seine Genossen. Wie bereits angedeutet, ist der Teufel nicht der einzige gefallene Engel, sondern er hat Genossen; aber er ist das Haupt unter denselben. Wenn die Pharisäer Matth. 12, 24 von Beelzebub, dem Obersten der Teufel, reden, so geht Jesus darauf ein und bestätigt, dass der Teufel ein Reich habe (V. Matth. 12, 25ff). Diese Genossen heißen seine Engel, Matth. 25, 41; 2Kor. 12, 7; Offb. 12, 7, oder auch Dämonen (Luther: Teufel), unreine Geister, namentlich sofern sie in der Form der Besessenheit von einzelnen Menschen Besitz ergreifen (siehe unten 3). Und hier mag darauf hingedeutet werden, dass auch das Alte Testament von der Existenz solcher finsterer Mächte eine Ahnung hat, namentlich in Verbindung mit dem Götzendienst (siehe Feldgeister, Asasel).
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3) Sein Wirken. Als der Feind Gottes und in seiner Freude am Bösen sucht der Teufel das Böse auszubreiten in der Schöpfung Gottes, insbesondere im Reich Gottes auf Erden (Matth. 13, 24ff., vergleiche Matth. 13, 39). Damit stimmt die Deutung der Schlange im Paradies auf den Teufel, die zuerst Weish. 2, 24 ausgesprochen und durch den Namen „die alte Schlange“, Offb. 12, 9, bestätigt wird. Durch ihn sind also die ersten Menschen verführt worden zum Bösen und diese Verführungskunst treibt er fort, sowohl unter Heiden und Juden (2Kor. 4, 4; Eph. 2, 2; Joh. 8, 44; Offb. 20, 8), als unter Christen (Luk. 22, 31; 1Kor. 7, 5; 2Kor. 2, 11; Eph. 6, 11; Jak. 4, 7). Jesus selbst wurde von ihm versucht (Matth. 4, 1–11). Abgesehen von dieser Erzählung, wo von einem persönlichen Erscheinen des Satans die Rede ist (vielleicht ist dies aber nur Einkleidung) — wird seine Verführung auf die Macht zurückgeführt, böse Gedanken im Menschenherzen zu erwecken, gute daraus zu vertreiben (1Chr. 21, 1; Joh. 13, 2; Apg. 5, 3; 2Kor. 4, 4; Eph. 6, 16; Matth. 13, 19). Eingang sucht er denselben zu verschaffen durch die Lüge; er verstellt sich selbst in einen Engel des Lichts, (2Kor. 11, 14) und betrügt die Menschen durch listige Künste, durch falsche Versprechungen (Eph. 6, 11; 2Kor. 2, 11; 2Kor. 11, 3; vergleiche die Versuchungen Jesu; 1Tim. 3, 7). Durch solche Verführungskünste gewinnt der Teufel unter den ihm zugänglichen eine solche Macht, dass sie wie gefangen und unter seinen Willen geknechtet sind (2Tim. 2, 26); er drückt ihnen ganz sein Wesen auf, so dass sie seine Kinder heißen (Joh. 8, 44; 1Joh. 3, 8. 1Joh. 3, 10, vergleiche Apg. 13, 10). Er benutzt sie zu seinen Zwecken (2Kor. 11, 15; Eph. 2, 2). Dieser Macht entsprechend heißt er sogar „Herrscher der Welt“ (Joh. 12, 31; Joh. 14, 30; Joh. 16, 11) oder „Gott dieser Welt“ (2Kor. 4, 4, vergleiche Apg. 26, 18; Kol. 1, 13), und bildet mit seinem Reich ein Gegenstück und den Widerpart des Reiches Gottes (Matth. 12, 26–28). Eine andere Wirksamkeit des Satans wird nach der Bibel in der Besessenheit offenbar (siehe den Artikel). Das Bestreben, die Schöpfung Gottes gerade in ihrem edelsten Glied, dem Menschen, auch noch in anderer Weise als durch die Sünde zu ruinieren, ist allerdings dem Satan wohl zuzutrauen; und wie Gott alles Böse in der Welt dazu benutzt, seinen Zwecken dienstbar zu sein, insbesondere seine Gerichte auszuführen, so mag er auch dem Satan hierzu einen Spielraum gelassen haben. Ähnlich ist ja auch der Gedanke bei Hiob, der dem Satan in seine Hand gegeben wird (Hiob 1, 12; Hiob 2, 6). Auch 1Kor. 5, 5; 1Tim. 1, 20 deutet auf den Satan als auf den Vollstrecker göttlicher Gerichte. Doch ist gegenüber dem vielen Aberglauben, der sich an den Glauben an seine schädliche Wirksamkeit des Teufels in der äußeren Welt angehängt hat, es sehr nötig, an die nüchternen Grenzen der biblischen Lehre sich zu halten.
Von einer dritten Art der Wirksamkeit Satans reden zwei alttestamentliche Stellen: Hiob 1 und Hiob 2 und Sach. Hiob 3. Sie zeigten ihn als Verkläger und Verleumder der Frommen bei Gott (daher ja auch die beiden Namen. siehe oben); und so heißt er denn auch Offb. 12, 10 „Verkläger der Brüder“. Sollte aber nicht, da es in allen 3 Stellen um Gesichte sich handelt, es erlaubt sein, darin eine Spiegelung der Gedanken zu sehen, mit denen der Teufel den Menschen ängstigt und zur Verzweiflung bringt: er sei von Gott verworfen? (vergleiche Röm. 8, 33).
— 4) Sein Geschick. Dass Gott dem Teufel überhaupt einen Spielraum lässt, gehört zu den Geheimnissen der göttlichen Weltregierung, über die wir nicht zu Gericht sitzen dürfen (vergleiche Röm. 9, 22). Wohl aber wissen wir, dass seiner Macht Ziel und Schranken gesetzt sind, die er nicht überschreiten kann (vergleiche Hiob 1, 12; Hiob 2, 6; Offb. 12, 12). Gott lässt sich dazu herab, den Teufel auf dem Gebiet seiner Verführungskünste zu bekämpfen durch die Macht der Wahrheit, wie sie erschienen ist in seinem Sohn (1Joh. 3, 8; Hebr. 2, 14. vergleiche Matth. 12, 29ff.). Wohl bringt es der Teufel dabei manchmal scheinbar zu gewissen Siegen (Luk. 22, 53); aber innerlich weiß er doch wohl, dass er nichts ausrichten kann (Jak. 2, 19), und wartet des Gerichts, dem er nicht entrinnen kann. Und so ist er auch ohnmächtig gegen die, welche mit der Eph. 6, 10ff. beschriebenen geistlichen Waffenrüstung ihn bekämpfen. (vergleiche Jesu Entgegnungen, Matth. 4, 4ff.; Jak. 4, 7). Dass der Teufel bis hin zum Endgericht auch Zutritt im Himmel habe, ist in der Erzählung Hiob 1 und Hiob 2 ohne Zweifel dichterische Zutat; und ähnlich auch Offb. 12, 7ff. zu beurteilen (vergleiche Luk. 10, 18). Zuletzt wartet seiner und seiner Genossen das Endgericht, und ihr Los ist das ewige Feuer (Matth. 25, 41; Offb. 20, 10). Von einer möglichen Bekehrung des Teufels redet die Schrift nirgends.
Th. Hermann.
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About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
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