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Jerusalem, die heilige Stadt. I. Lage. Jerusalem ist der Mittelpunkt des heiligen Landes. Um diese Stadt von der Küste des Mittelmeers aus zu erreichen, welches heutzutage den einzigen Verbindungsweg zwischen Europa und Palästina bildet, muss zuvor eine Landestreppe um die andere erstiegen werden, die sämtlich der geologischen Formation des Kreidegebirges angehören. Mit den verschiedenen Treppen wechselt bloß das Niveau über dem Meeresspiegel, das zwischen 0 m und 700 m wechselt, nicht aber das geologische Niveau (Abb. 166). Dieses bildet auf der obersten Treppe, welche Jerusalem trägt, genau denselben Horizont, welcher auch die Niederung kennzeichnet. Alluviale Bildungen kommen hierbei selbstredend gar nicht in Betracht. Die Art der Abtreppung, welche das heilige Land kennzeichnet, ist nicht anders denkbar als durch ein System von Parallelklüften, die sämtlich in der Richtung der Meeresküste und der Jordanspalte von Nord nach Süd streichen. Der Steilabbruch der Schichten zum Mittelmeer hin, ebenso der Steileinbruch des Toten Meeres und der gesamten Jordanspalte stehen untereinander in engster Verbindung und haben ein und denselben Grund der Entstehung. (Diese Zerklüftung des cretaceen Tafelgebirgs äußert sich im ganzen Gebirge Juda, von der ersten Erhebung der Gegend über das Niveau der Meeresküste an bis hinauf in die Umgebung der Stadt und der um dieselbe liegenden Höhen.) Das Zerspaltensein der Kalkblöcke in der Richtung von Norden nach Süden und das Absinken der durch die Spalten abgetrennten Landesteile in verschiedene Tiefen ist der bestimmende Grundcharakter des Landes, womit auch, mehr als man ahnen mag, die Geschichte der Stadt und ihre welthistorische Bedeutung im engeren Zusammenhang steht. Die zu Tage gehenden Gebirgsarten und Schichtenglieder gehören der mittleren und oberen Kreideformation an, worüber bei der vollen Übereinstimmung der organischen Reste kein Zweifel sein kann. Hienach ist der älteste Schichtenhorizont, dem wir begegnen, das Glaukonitische Gebirge der Touraine (Turonien der Franzosen) mit all den leitenden Fossilien des Ammonites Mantelli und Rhotomagensis. Eine wirklich typische Lokalität für die Beobachtung dieses Horizontes bildet die Umgebung des Klosters Marsaba. Überlagert wird der untere Horizont des Turonianmergels von einem milden Kreidemergel, dem Baustein der alten wie der neuen Stadt, dem „Mêlekeh“, der, genau betrachtet, aus den, ob auch innig untereinander verwachsenen, Trümmern von Muschelschalen, ganz besonders von Hippuriten herrührend, besteht. Will man ein europäisches Vorkommen mit dem Melekeh vergleichen, so bietet der Petersberg bei Maastricht ein vollkommenes Analogon dar. In den Melekeh sind alle unterirdischen Bauten der Stadt eingehauen, namentlich die vielen tausend Gräber, in welchen die Generationen seit den Zeiten Abrahams schlafen. So kommt es, dass, wer nur seit 2000 Jahren auf dem Boden Jerusalems gewandelt und gestorben ist, im Melekeh ruht, sei es in einer eingehauenen Grabkammer oder in einem offenen Grab in der humosen Erde, die sich auf der Kalkunterlage gebildet hat. Im gleichen Horizont sind auch die „Königsgräber“ und die labyrinthischen Steinbrüche unter der Stadt. Da dieser Fels mit den unterirdischen Steinbrüchen und Gräbern im Kidrontal zu Tage geht und im Dorf Siloah, also auf der anderen Seite des Tals, wieder hervortritt, so ist er als die eigentlich Grundlage der Stadt anzusehen. Hieher gehören nun alle unterirdischen Bauten der Stadt und ihrer nächsten Umgebung, wie die Cottongrotte, das kleine Labyrinth oder die sogenannten Prophetengräber, das Grab Absaloms, die Grabhöhle Josaphats, die Jakobshöhle, das Grab des Zacharias und die ganze ausgedehnte Nekropole, die heute von dem Dorf Silwan als Wohnstätte benutzt ist. An den meisten dieser Denkmale sieht man die Auflagerung eines anderen, jüngeren Schichtenhorizontes über dem Melekeh, der aus Kalkmergeln und Oolithen besteht, welche mit einem splitterharten, lichten Marmor, dem sogenannten „Missih“, abschließen und eine Mächtigkeit von beiläufig 10 m erreichen. In den mergeligen Zwischenbänken zwischen Melekeh und Missih finden sich zahlreiche Nerineen (langgestreckte einschalige Muscheln) und die Hippuriten (sulcatus), welche dem geologischen Horizont ihren Typus aufdrücken. Die Hippuritenkalke platten sich nach oben und bilden zum Beispiel am Damaskustor die Unterlage der Stadtmauer. Hiermit schließt der geologische Untergrund der heiligen Stadt ab. — Auf den Höhen nächst der Stadt folgen noch oolithische Kalkmergel, „narji“ genannt, die mit einem zarten Kreidekalk, „kakuhleh“, endigen. Hat man sich den geologischen Aufbau der genannten Schichten von den Turonschichten bis zum Kakuleh als horizontale Sedimente des alten Kreidemeers vorzustellen, so ist die Gestaltung der heutigen Oberfläche das Resultat jenes oben bezeichneten Spaltensystems, das zunächst in der Hauptrichtung von Nord nach Süd und rechtwinklig auf den Hauptspalten von West nach Ost und in der Kombination beider Spaltenrichtungen das Tafelgebirge spaltete. So resultierte das Wadi Dschos im Norden und Wadi Hinnom im Süden der Stadt. Beide brachen nach Art der Zerklüftung rechtwinklig gegen das Wadi Kidron ab und hatten die natürliche Unzugänglichkeit der auf der Höhe befindlichen Stadt zur Folge (Abb. 167). Von drei Seiten war so die Stadt durch die natürlichen Steilwände der Felsen geschützt und überhaupt nur von Westen her zu betreten.
Die Unterlage der Stadt ist nun aber nichts weniger als gleich hoch und eben, vielmehr wechselt die absolute Höhe der verschiedenen Stadtteile ganz namhaft bis zu 40 m. Der tiefste südöstliche Teil der Stadt liegt 744 m über dem Meer, der nordöstliche Teil liegt 30 m höher (774), der höchste nordwestliche Stadtteil liegt 789 m hoch, die Senkung des Terrains auf dieser Seite beträgt nur wenige Meter. Heutzutage hat viele Meter hoher Schutt (vergleiche Abb. 168) die natürlichen Vertiefungen teilweise ausgefüllt, so dass gewisse Taleinsenkungen kaum mehr in die Augen fallen. Das vom Tal Kidron im Osten, vom Hinnomtal im Westen und Süden umschlossene Stadtgebiet war einst durch Talversenkungen reicher gegliedert als jetzt. Von Nord nach Süden zog eine Einsenkung, die in der Gegend des Damaskustores begann und im Süden immer noch deutlich wahrnehmbar ist, einst Tyropöon, das Käsemachertal genannt. Die Erhebung westlich davon war durch eine vom Jaffator nach Osten ziehende Einsenkung in einen nördlichen und südlichen Teil geteilt. Auch der östliche Hügel war früher gegliedert: nördlich vom jetzigen Tempelplatz zog einst eine jetzt verschwundene Schlucht von Westen nach Osten; und südlich vom Tempelplatz hat Guthe schon 1881 eine Mulde nachgewiesen, die wahrscheinlich einst schluchtartig Tyropöon und Kidrontal verband, so dass der Osthügel einst aus drei Erhöhungen bestand.
— Bei seiner hohen Lage hat Jerusalem ein gesundes Klima; die mittlere Temperatur bewegt sich von Mai bis Oktober zwischen 20 und 24,1 °C, in den Wintermonaten Dezember, Januar, Februar sind es 11°, 8,5°, 9,2°. Die Luft ist im Sommer, wenn nicht der Südwind unerträgliche Hitze bringt, rein und klar, im Winter gibt es zuweilen Frost, auch wohl rasch wieder schwindenden Schnee. — Den schönsten Anblick gewährt immer noch wie vor Zeiten (Matth. 24, 1) der Anblick der Stadt vom Ölberg aus. Die 12–15 m hohe Stadtmauer umgibt mit ihren 34 Türmen das Ganze, die Kuppeldächer der gewöhnlichen Häuser ragen kaum über die Mauer hinaus, nur die Spitzen zahlreicher Minarette, die Türme der Kirchen, Klöster und Moscheen werden sichtbar, voran die zwei Moscheen des Tempelplatzes, die heilige Grabeskirche und die Zitadelle (vergleiche Tafel 1 und 14). — II. Das heutige Jerusalem.
Die jetzige Stadt, die sich weniger weit nach Süden, weiter nach Norden und Nordwesten ausdehnt als die alte, ist keine große Stadt, die ummauerte Stadt in einer starken Stunde bequem zu umgehen, die innere Stadt ein Gewirr enger, winkliger, bei Regenwetter schmutziger, schlecht gepflasterter Straßen, die nach Osten, dem Tyropöon zumeist abschüssig sind, für Wagen nicht zu befahren, mit meist unschönen Gebäuden.
Der nach europäischem Geschmack gebaute Stadtteil liegt vor dem Jafator, die Jafavorstadt mit dem stattlichen Russenbau; auch Schnellers syrisches Waisenhaus liegt dort im Nordwesten. — Die ummauerte Stadt hat 8 Tore: im Westen das Jafator; im Norden das Neue Tor (Bab Abdul Hamid), das schöne Damaskustor (Bab el Amud), das schönste Tor der Stadt, und das Herodestor; im Osten das Stephanstor (Bab Sitti Marjam, das heißt Marientor) und das verschlossene „goldene Tor“, wohl aus Missverständnis von Apg. 3, 2 so genannt, ein reichgeschmücktes Gebäude aus dem 5. oder 7. Jahrhundert nach Christus, von den Arabern vermauert; im Süden das Mophrebinertor und das Zionstor. — Der Europäer betrat ausnahmslos durch das Jafator die heilige Stadt.
Auf der Straße, die man vom Tor aus betritt, gegen Osten weitergehend, hat man zur Linken das fränkische Quartier, an welches sich das mohammedanische anschließt.
Rechts von der Straße zieht sich gegen Süden zunächst das armenische, dann das jüdische Quartier.
Im christlichen Viertel ist die wichtigste Stätte die Kirche des heiligen Grabes, als die älteste christliche Kirche, die überhaupt gebaut wurde, wenn auch der ursprüngliche Bau des Kaisers Konstantin, 336 nach Christus geweiht, längst nicht mehr vorhanden ist.
Von den Persern 614 verbrannt, wurde die Kirche in den darauffolgenden Jahren wieder aufgebaut. 969 zerstörte wieder Feuer die Kirche, und 1010 zerstörten und verwüsteten die Moslemen den Bau gründlich, aber schon 1055 ist wieder eine Kirche vorhanden, in welche die Kreuzfahrer nach Erstürmung der Stadt unter Lobgesängen barfuß einzogen.
Da ihnen die Kirche zu gering erschien, so bauten sie 1140–49 eine neue Kirche in romanischem Stil, deren Mauern im Wesentlichen heute noch die Mauern der Grabeskirche bilden. 1808 brannte der westliche Teil der Kirche ab, der (1810) von Griechen und Armeniern wieder aufgebaut wurde, weshalb diese auch das Hauptanrecht an der Kirche beanspruchen. 1869 ließ Napoleon die baufällige Kuppel der Kirche erneuern.
So ist heutzutage die Grabeskirche ein Bautenkomplex verschiedener Kapellen, meist auf Grund abergläubischer Legenden errichtet, einer eingehenden Besprechung für Bibelleser nicht wert; leider zu jeder Zeit Gegenstand des Haders der verschiedenen Konfessionen und namentlich zur Osterzeit eine Stätte hässlicher Balgereien.
In der Nähe der Grabeskirche ist der Johanniterplatz oder der Muristan (= Hospital) mit der 1898 in Gegenwart des Kaisers eingeweihten Erlöserkirche (Tafel 14).
An das christliche Quartier schließt sich im Nordosten der heutigen Stadt das von Bauern und Handwerkern bewohnte mohammedanische Quartier an. — Rechts vom Jafator, gegen Süden, im armenischen Quartier, beansprucht unser Interesse der Zionsberg, der sich vom Kastell an bis zur Stadtmauer hinzieht.
Den größeren Teil des Zionsberges nimmt das Kastell und das großartige armenische Kloster ein.
Das erstere, 200 m lang und 60 m breit, umschließt den wohl zur Zeit des Herodes erbauten Davidsturm. Dessen Zinne ist der höchste Punkt der ganzen Stadt und gewährt eine lohnende Rundschau.
Zwischen dem Kastell und dem armenischen Kloster liegt die protestantische Bischofskirche.
Außerhalb der Stadtmauer liegt am Abhang des Zionsberges ein größerer Komplex von Gebäuden, Nebi Daud, „Prophet David“, wo im 4. Jahrhundert eine Apostelkirche stand, angeblich auf dem Platz der Ausgießung des Heiligen Geistes, wo man heute noch das Coenaculum, „den Ort des heiligen Abendmahls“, zeigt.
In der Nähe soll nach einer späten Tradition das Wohnhaus und die Sterbestätte der Maria (Dormitio Sanctae Mariae Virginis) gestanden haben.
Der Sultan schenkte (1898) dieses Grundstück dem Kaiser Wilhelm II., der es dem Deutschen Katholischen Palästina-Verein überließ. An dem Stadtabhang, gegen das Tal Hinnom, liegen das protestantische Schulhaus und der protestantische Gottesacker. Östlich vom armenischen Quartier und dem Zionsberg steht das jüdische Quartier mit der ärmsten Bevölkerung von ganz Jerusalem, die nur von der Mildtätigkeit ihrer europäischen Glaubensgenossen lebt. Der interessanteste, weil älteste Platz dieses Viertels, ist der „Klageplatz“ an der Westseite des alten salomonischen Tempelplatzes (Abb. 170).
Die Taleinsenkung, die einst den höheren Westen von dem niedrigeren Osthügel trennte, ist jetzt nur im Süden noch deutlich, das alte Tyropöon (Käsemachertal). Auf dem östlichen Hügel ist der wichtigste Teil des Tempelberges, von dem sich ein Felsrücken (Ophel), einem gleichschenkligen Dreieck gleich, nach Süden senkt, während im Norden sich das mohammedanische Quartier ausbreitet. Auf dem Tempelberg, etwa 30 m niedriger als der westliche Stadtteil, einst viel steiler in das noch nicht durch massenhafte Schuttanhäufungen erhöhte Tal abfallend, befindet sich der Tempelplatz, der jetzt Haram esch Scherif heißt, das „edle Heiligtum“. Der heutige Tempelplatz misst an der nördlichen Kurzseite 317 m, an der südlichen 283, während die Langseite 490 und 474 m misst, das Terrain ist jetzt vollständig geebnet, während der alte Tempelplatz zur salomonischen Zeit pyramidal anstieg.
Die Umfassungsmauer lässt alte, in phönikischer Zeit zugerichtete, mit phönikischen Schriftzeichen versehene Quadersteine von 5–8 m Länge und 2 m Höhe erblicken. Wenn auch der Tempel in seiner letztmaligen Gestalt ein Bauwerk des Herodes ist, so scheint das Material zu demselben aus der älteren Zeit zu stammen.
Der Haram, erst nach dem Krimkrieg den Christen zugänglich gemacht, enthält eine Menge von Bauten, unter welchen Kubbet es Sachra (Abb. 171), der prächtige Felsendom, zuerst in die Augen fällt. In der Mitte des Platzes führen Treppen zu einer 3 m hohen viereckigen Plattform, auf welcher das Achteck der Moschee steht. Vier Tore nach den vier Himmelsrichtungen bilden den Eingang zu dem Heiligtum, jede Seite misst 20,4 m. Marmor und Mosaiken bekleiden Boden und Wände. Zwischen den Säulen, welche die Kuppel tragen, umschließt ein eisernes Gitter den Mittelraum der Moschee, in dessen Mitte der Kalkblock (sachra) liegt, 17,7 m lang, 13,5 breit und 2 m aus dem Boden ragend.
Jede Konfession deutet den Felsblock in ihrer Art. Hier hat Abraham sein Opfer dargebracht, hier stand die Bundeslade, die, von Jeremia verborgen, noch dort sein soll, nach den Moslems stammt der Stein aus dem Paradies, schwebt über dem Abgrund ohne Stütze, hier wird das Jüngste Gericht seinen Anfang nehmen und Gottes Richterthron stehen. Die Fingerspuren des Engels Gabriel sind an ihm zu sehen, der ihn festhielt, als er nach des Propheten Tod wieder in das Paradies zurückkehren wollte usw.
Gebaut wurde der Felsendom unter dem omajjadischen Kalifen Abd al-Malik (ca. 700). Im Süden des Haram liegt die Moschee el Aksa, die alte Marienkirche Justinians (527–565). Der Kalif Omar weihte die Kirche dem Islam und nannte sie el Aksa, die entfernteste, das heißt (nach der Kaaba) das älteste Heiligtum des Islam. — Das jetzige Jerusalem hat im 19. Jahrhundert einen bedeutenden Aufschwung genommen und ist keine orientalische Stadt mehr. Als Einwohnerzahl wurde 1891 41 300, 1895 51 000 angegeben. Zur Zeit der Kaiserreise 1898 wurde die Zahl auf 60 000 geschätzt, darunter 40 000 Juden (der ärmste Teil der Bevölkerung), 7000 Mohammedaner, fast 13 000 Christen, nämlich 6000 Griechen, 4000 Lateiner, 1400 Evangelische (deutsche etwa 250), 800 Armenier usw. Jetzt soll Jerusalem 115 000 Einwohner haben.
Unter den christlichen Konfessionen ist die griechische die mächtigste, sie hat einen Patriarchen und viele Klöster; nach ihr die römisch-katholische Kirche, gleichfalls mit einem Patriarchen. Das deutsch-englische evangelische Bistum, 1841 gestiftet, ist aufgehoben worden. Die englisch-evangelische Gemeinde unter ihrem Bischof treibt Mission an Juden und Arabern. Die kleine deutsche evangelische Gemeinde mit Pfarramt und Kirche arbeitet durch eine Menge von Anstalten am Wohl der heiligen Stadt.
— III. Geschichte Jerusalems. Das biblische Jerusalem in dem jetzigen wiederzufinden, ist nicht so leicht. Gewöhnlich hält man Melchisedeks Salem 1Mos. 14 (siehe diesen Artikel) für Jerusalem, das übrigens unter diesem Namen (Urusalim) schon um 1400 in den Briefen von Tell el-Amarna nachgewiesen ist. Jerusalem („Gründung oder Wohnung des Friedens“?) scheint die Stadt also von jeher geheißen zu haben. Wenn an einigen Stellen Jebus als ihr Name angegeben wird (Richt. 19, 10; 1Chr. 11, 4f), so scheint das mehr ein Schluss aus dem Namen des kleinen Stamms der Jebusiter zu sein, dem Jerusalem gehörte. Ein König von Jerusalem begegnet uns Richt. 1, 5–7.
Von Bedeutung wurde die Stadt aber erst, als David die Felsenfeste der Jebusiter, Zion, einnahm (2Sam. 5, 7). Es ist jetzt als zweifellos anzusehen, dass diese Burg Zion (siehe diesen Artikel) nicht auf dem Südwesthügel, dem die Tradition den Namen Zion gegeben hat, zu suchen ist, sondern auf dem schmalen, im Süden des späteren Tempelplatzes sich zwischen Tyropöon und Kidrontal nach Süden erstreckenden Teil des Osthügels. Zwar ist dieser Südosthügel der niedrigste Teil des ganzen zu Jerusalem gehörigen Gebiets (nur 694–644 m hoch), aber er war wohl von allen Seiten von Schluchten umgeben (vergleiche das oben über Guthes Entdeckung einer Schlucht im Süden des Tempelbergs Bemerkte), und dieser Hügel beherrschte die einzige, in einem Umkreis von 5–7 km vorhandene, immer Wasser spendende Quelle. Hier schlug David denn auch seine Residenz auf: der Zion trug nun die Burg Davids und hieß „Stadt Davids“. Mit der Jebusiterburg fiel auch ganz Jerusalem in Davids Hand. Die Stadt wurde zum Stamm Juda (Jos. 15, 63), später zu Benjamin gezählt (5Mos. 33, 12; Jos. 18, 15f; Jos. 15, 7f). Die Jebusiter, denen das Leben und Eigentum blieb, mussten wohl ihren Burghügel räumen, der für David und seine Leute notwendig wurde, auf dem Davids Haus und das Zelt für die Bundeslade errichtet wurde (2Sam. 5, 9; 2Sam. 6, 7); sie haben sich vielleicht auf dem Südwesthügel niedergelassen (so versteht Guthe den „Abhang der Jebusiter“ Jos. 15, 8; Jos. 18, 16, Luther: „Mittagsseite des Jebusiters“).
Schon David vergrößerte und befestigte die Jebusiterburg. Das Millo genannte Bauwerk (siehe diesen Artikel) ist aber nicht näher zu bestimmen. Noch mehr blühte Jerusalem auf unter der langen, friedlichen Herrschaft Salomos, der durch den Tempelbau Jerusalem zur heiligen Stadt machte, auch nach 1Kön. 7, 1 im Lauf von 13 Jahren den Königspalast aufführte. Darüber, dass der Tempel auf der Höhe nördlich von dem Zionshügel etwa in der Gegend des jetzigen Felsendoms stand, kann kein Zweifel sein. Salomos Königspalast hat man früher auf der Ostterrasse des Südwesthügels gesucht; ohne Zweifel mit Unrecht. Nach den Angaben der Bibel (2Kön. 11, 19, Jer. 22, 1; Jer. 26, 10; Jer. 36, 10–12) muss er südlich vom Tempel in ziemlicher Nähe von ihm gelegen haben, etwa an der Stelle der Aksamoschee. Wie groß damals die ganze Stadt Jerusalem war, darüber ist gestritten worden. Einzelne Gelehrte wollen es auf den Osthügel beschränken. Es darf aber angenommen werden, dass es den Südwesthügel – hier das ursprüngliche Jerusalem – und den östlichen Berg, auf dem, auf drei Stufen von abnehmender Höhe, der Tempel, der Königspalast, die Davidstadt lagen, umfasste. Für die Höhen, auf denen diese drei Gebäudekomplexe lagen, finden sich die Namen Morija (2Chr. 3, 1), Ophel (Neh. 3, 26) und Zion (siehe die Artikel) Salomo umgab die Stadt mit der ersten Mauer. Sie begann nach Josephus bei dem Hippicusturm in der Nähe des Jafators und zog von da nach Osten bis zur westlichen Halle des Tempels und umzog den Südwesthügel, der demnach noch mit einer besonderen Mauer auf der Ostseite eingefasst war. Im Einzelnen ist der Mauerlauf noch nicht sicher festgesetzt.
In der Zeit nach Salomo dehnte sich die Stadt nach Norden aus und wurde die Stadt westlich vom Tempelplatz zwischen der Grabeskirche und dem Haram zur „Vorstadt“. Hierher zog sich der Verkehr und die Geschäftswelt. In der Zeit nach Salomo wurde auch diese Neustadt (der „andere Teil der Stadt“, Zef. 1, 10; 2Kön. 22, 14; 2Chr. 34, 22) mit einer zweiten Mauer umgeben. Wir wissen nur, dass Hiskia sie gebaut, das heißt wohl ausgebessert hat (2Chr. 32, 5). Wie diese zweite Mauer lief, ist am besten aus der Beschreibung der Wiederaufrichtung der Mauer, wie sie später durch Nehemia erfolgte (Neh. 3) zu ersehen. Dieselbe begann ganz im Westen, wenig östlich vom Davidsturm, zog dann nach den einen östlich vom Hiskiateich, diesen also ausschließend, nach den anderen – dies wohl das Richtige – westlich vom Hiskiateich, diesen also einschließend, nach Norden, und bog dann zuerst nach Osten, dann in scharfem Winkel nach Norden um, so dass der Raum der innerhalb dieses Winkels gelegenen Grabeskirche ausgeschlossen blieb. Der Lauf dieser Mauer ist deswegen von besonderem Interesse, weil, wenn der Raum der Grabeskirche von der Mauer eingeschlossen gewesen wäre, was zum Beispiel Robinson und Tobler annahmen, die von der Tradition bezeichneten Stellen von Kreuz und Grab nicht die richtigen sein könnten. In der Beschreibung der wiederaufgerichteten Mauer finden sich eine ziemliche Zahl von Toren angegeben, deren Lage nicht ganz feststeht (vergleiche Biblische Geographie S. 116 f.).
— Unter Nebukadnezar sank die Stadt zum erstenmal in Schutt und Asche, ohne dass sie übrigens ganz menschenleer geworden wäre. Nach der Rückkehr wurde die Stadt nach und nach wieder besiedelt, Nehemia stellte 445 die Mauern, die auch nicht ganz verschwunden waren, wieder her. Die Mauern schlossen zunächst eine dünne Bevölkerung ein, die in den nächsten Jahrhunderten doch trotz mancher Kämpfe zunahm. Zuerst in ägyptischer Gewalt, 312 von Ptolemäus I. eingenommen, geriet 198 Jerusalem in die Herrschaft der Syrer, welche die ägyptische Besatzung aus der Burg vertrieben. Diese „Burg“, von Josephus Akra geheißen, lag ohne allen Zweifel auf dem südöstlichen Hügel an der Stelle der alten Davidsburg. In der Zeit der Makkabäer verschwand diese Akra, diese Burg im Südosten.
Josephus erzählt, der Makkabäer Simon habe diese syrische Zwingburg dem Boden gleichgemacht, ja sogar den Akrahügel, der vorher den Tempelhügel überragt habe, abtragen und niedriger machen lassen. Letzteres ist jedenfalls übertrieben, da, wie wir sehen, der Tempelberg immer höher war als der Zion mit der Davidsburg. Auch ist Simon schwerlich derjenige Makkabäer, der die Burg verschwinden ließ. Statt der Festung im Süden befestigten die Makkabäer die im Norden des Tempelplatzes schon längst bestehende Tempelburg (Baris, die spätere Burg Antonia). Die Makkabäer bauten auch den Hasmonäerpalast, der im Nordosten des Südwesthügels lag. Im Jahr 63 nahmen die Römer Jerusalem ein. Die zerstörten Mauern wurden bald wieder hergestellt. — Das herodianische Jerusalem ist das Jerusalem der Zeit Jesu.
Es wird uns von Josephus im jüdischen Krieg beschrieben: er unterscheidet die obere Stadt oder den oberen Markt (auf dem Südwesthügel), die Unterstadt oder Akra (im Süden des Tempels, der Stadtteil an der Stelle der alten Davidsburg), den Tempel oder Tempelberg, die (von der zweiten Mauer umschlossene) Vorstadt und die Neustadt, die in der Hauptsache in der Zeit nach Herodes im Norden der Vorstadt und des Tempelberges sich entwickelte. Das Quartier nördlich vom Tempel und der Burg Antonia hieß Bezetha (= Olivenort?). Die Hauptbauten des Herodes des Großen waren außer dem Tempel die Burg Antonia, die er an der Stelle der alten Burg (Baris) errichtete und nach dem Triumvir benannte, und der Palast des Herodes, den er 23 v. Chr. bezog, ein Prachtbau an der Nordwestecke der alten Stadt. Die Lage ist nicht zweifelhaft, da die drei großen Türme Hippikus, Phasael und Mariamne zu dem Palast gehörten und der Unterbau des Phasael heute noch in dem Davidsturm der Zitadelle am Jafator erhalten ist. Dieser Palast hat für den Bibelleser dadurch besonderes Interesse, dass wir hier die Stätte der Verhandlung vor Pilatus (das „Hochpflaster“ Joh. 19, 13, das Richthaus Matth. 27, 27; Mark. 15, 16; Joh. 18, 28. Joh. 18, 33; Joh. 19, 9) zu suchen haben. — Herodes Agrippa I. (41–44 v. Chr.) begann die dritte Mauer zum Schutz der Neustadt aufzuführen; er musste das Werk der argwöhnischen Römer wegen einstellen, und es wurde erst während des Aufstandes rasch vollendet.
Im Ganzen entsprach sie wohl der heutigen Nordmauer: sie begann beim Hippikus, zog zuerst nordwestlich bis zum Psephinusturm, dem höchsten Turm auf der höchsten Stelle, und dann nordöstlich dem Kidrontal zu. Die Zahl der Einwohner, die Jerusalem in der letzten Zeit in sich schloss, hat Schick auf 200 000–250 000 geschätzt. Josephus hat die Zahl der Einwohner samt den Passahgästen auf 2 700 000 veranschlagt. — Nach der Zerstörung durch Titus im Jahr 70 n. Chr. entstand durch den baulustigen Kaiser Hadrian (117–138) das römische Jerusalem, Aelia Capitolina. Auf dem Tempelplatz erhob sich der Tempel des kapitolinischen Jupiter, an der Stelle des Heiligen Grades ein Venustempel. Nach der Schilderhebung des Bar Kochba, der sich auf drei Jahre (132–135) der Stadt bemächtigt hatte, war es den Juden strengstens verboten, die Stadt zu betreten.
Mit Konstantin entstand das christliche Jerusalem, er baute die Auferstehungskirche oder jetzt Grabeskirche, seine fromme Mutter Helena die Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg, doch fingen die großartigen Kirchenbauten erst mit Justinian in der Mitte des 6. Jahrhunderts an. Nach der Eroberung Jerusalems durch die Perser 614 richteten die Moslimen ihre Augen auf die Stadt, die auch sie für heilig hielten. Erst nach der Eroberung der Stadt durch den Kalifen Omar (637) wurde die Kirche der Jungfrau zur Moschee el Aksa; bald entstand der Felsendom. Im Übrigen herrschte bis zur Herrschaft der Seldschuken eine wirkliche Toleranz, die erst mit den Kreuzzügen aufhörte, 1099 erstürmte das christliche Heer die Stadt, 1187 zog Saladin in dieselbe; zwar erlangten 1229 die Christen vertragsmäßig die heiligen Orte zurück; aber seit 1517, da dieselben den Osmanen zufielen, blieb die Stadt für das Abendland verloren.
— Die Wasserversorgung der Stadt ist wie in allen Gegenden, in welchen die jährlich fallende Regenmenge kaum über ½ m steigt. In den 50 Regentagen muss für die übrigen 315 Tage des Jahres das Wasser in Zisternen und Löchern gesammelt werden. Fast jedes Haus hat denn auch eine oder mehrere Zisternen, die meist sehr groß sind. Der natürlichen Quellen sind es eigentlich nur zwei, die (wie solches bei der Topographie der Stadt nicht anders erwartet werden kann) im Kidrontale zutage treten. Der südlichste Brunnen ist da, wo die drei Täler Kidron, Tyropöon und Hinnom zusammentreffen, der Hiobsbrunnen oder Nehemiabrunnen, der sein reichliches Wasser dem hydrostatischen Druck sämtlicher drei Talläufe verdankt. Nach Jos. 15, 7 heißt er der Brunnen Rogel und war die Grenze von Juda und Benjamin. Zur Zeit der Könige (2Kön. 25, 4) waren hier die Königsgärten, die von den Quellen bewässert wurden.
Die andere Quelle ist der Gihon des Alten Testaments (siehe diesen Artikel), ohne Zweifel die Marienquelle Ain Sitti Mirjam an der Ostseite des südöstlichen Hügels. (Ob der „Drachenbrunnen“ Neh. 2, 13 eine dritte jetzt versteckte Quelle ist oder mit einer der zwei genannten zusammenfällt, wissen wir nicht.) Der Gihon oder die Marienquelle steht durch einen durch den Südosthügel in alter Zeit gegrabenen Felsentunnel (vielleicht von Hiskia hergestellt 2Chr. 32, 30) mit dem Tyropöon in Verbindung, so dass das hier zutage tretende Wasser keine eigentliche Quelle, sondern ein Abfluss der Marienquelle ist, der den Teich Siloah (siehe diesen Artikel) speiste. Auch von der Höhe des Berges hatte man sich im Altertum einen in der Neuzeit aufgefundenen Zugang zu der Quelle im Inneren des Berges geschaffen, um in Zeiten der Belagerung des kostbaren Wassers sicher zu sein.
Die wenigen natürlichen Quellen hätten aber nie zur Versorgung der Stadt ausgereicht, wenn nicht in alter Zeit schon wären Teiche angelegt worden: den Jes. 7, 3; Jes. 36, 2; 2Kön. 18, 17 erwähnten „oberen Teich“ hat man gewöhnlich für den jetzigen Mamillateich im Westen der Stadt gehalten; er wird aber wahrscheinlich im Norden zu suchen sein, wo eine Wasserleitung östlich vom Damaskustor in die Stadt eintrat und unmittelbar vor der Burg Antonia in einen breiten, jetzt unterirdischen Teich mündete. Der „untere Teich“ (Jes. 22, 9) wird im Süden der Stadt zu suchen sein. Über den Teich Bethesda siehe diesen Artikel. Da die bisherigen Mittel nicht ausreichten, wurde Jerusalem im Altertum noch durch künstliche Wasserleitungen versorgt. Vielleicht schon in der Zeit der Könige Judas, namentlich aber durch Herodes wurden weithinreichende Wasserleitungen vom Hebronwege und von Thekoa her angelegt. Die obere Wasserleitung vom Wadi Bijar am Hebronwege her ist nicht instand gehalten. Die untere und längere vom Wadi Arrub südlich von Thekoa her, die vielleicht von Herodes angelegt wurde, wird in mangelhafter Weise instand gehalten. Ein Wassermangel tritt in Jerusalem nie ein, da, wie oben bemerkt, überall fast bei jedem Haus in und außer der Stadt Zisternen angebracht sind.
J. Frohnmeyer.
Grabeskirche
Erlöserkirche
Im Hintergrund der Skopus
Jerusalem. Blick nach Norden.
Abb. 166. Querprofil durch Südpalästina vom Mittelmeer (W) durch das Tote Meer bis zum Gebirge Moab (O). Nach Prof. M. Blankenhorn (Z. D. P. D. XIX). — Maßstab der Länge: 1:1 300 000, der Höhe 1:30 000.
Abb. 167. Westöstlicher Durchschnitt durch Jerusalem (von Süden her gesehen). Nach Hermann Guthe, Palästina.
Abb. 168. Ein Schacht Kapitän Warrens, um die Tiefe des Schuttes zu zeigen, der an manchen Orten auf der einstigen Oberfläche 27 Meter hoch liegt.
Abb. 169. Plan des jetzigen Jerusalem.
Abb. 170. Südende der westlichen Einfassungsmauer des äußeren Tempelhofs aus der herodianischen Zeit (sog. Klagemauer).
Abb. 171. Durchschnitt des „Felsendoms“ Kubbet es Sachra.
IV. Religiöse Bedeutung. Mit der Erhebung Jerusalems zur Königsstadt hat David Israel nicht nur den politischen, sondern auch den religiösen Mittelpunkt gegeben, indem er mit glücklichem Griff das altehrwürdige Nationalheiligtum, die heilige Lade, dahin verpflanzte, und der salomonische Tempelbau hat das Übergewicht Jerusalems über die älteren Kultusstätten des Landes besiegelt: der Zion ist nun der Berg Jahves und Jerusalem des großen Königs Stadt.
Und wenn nachher die Reichsteilung die nationale Bedeutung Jerusalems wesentlich gemindert hat, um so ausschlaggebender wurde die religiöse, mochte es gleich zur tatsächlichen Kultuseinheit noch ein weiter Weg sein. Der Preis Jerusalems, dem in kritischer Zeit seine feste Lage mehr als einmal zustatten kam, klingt wieder in Psalmen (Psa. 46; Psa. 48; Psa. 68, 17; Psa. 87) und bei Propheten (Jes. 31, 9; Hes. 5, 5). Wohl hatten letztere den Kampf zu führen gegen das falsche Vertrauen auf den Wohnsitz Jahves (Jes. 1, 21; Jer. 7, 4; Zef. 3, 1) bis zur Ankündigung der Zerstörung (schon Jes. 10, 11; Micha 3, 12).
Aber ihre Zukunftshoffnung knüpft durchgängig an Jerusalem an, dem sie neue Herrlichkeit weissagen (Jer. 31, 38ff; Hes. 48; Amos 9, 11); selbst wo ihr Blick universalistisch das Heil der Heiden mitumfasst, bleibt Jerusalem der Mittelpunkt dieses Heils (Jes. 2, 2ff; Jes. 60. Jes. 62) und auch in der nachexilischen Zeit der geringen Dinge wird diese Hoffnung und die Freude daran hochgehalten (Hag. 2, 6ff; Psa. 122; Psa. 137; Tob. 13; Bar. 4, 5), bis die Blüte des Rabbinats und der wachsende Verkehr aus der Diaspora der Stadt neuen Glanz verleiht. — Von Christus wird zwar das alttestamentliche Erbe anerkannt (Matth. 5, 35; Joh. 4, 22), für ihn und sein Werk aber hat Jerusalem die Luk. 13, 33ff ausgesprochene Bedeutung: es tut’s nicht, dass ein Prophet umkomme außer Jerusalem. Jerusalem ist ihm deshalb Kampfplatz, so oft er es betritt (Joh. 2, 13ff; Matth. 23, 27), und mit dem Gang zur letzten Entscheidung verbindet sich die Ankündigung des endgültigen Gerichts (Matth. 24; Luk. 21, 24).
Die Jünger erleben nach seiner Anordnung (Luk. 24, 47. Luk. 24, 49) Ostern und Pfingsten in Jerusalem, und es entsteht dort die Muttergemeinde der Christenheit, aber doch ist das ganze apostolische Zeitalter eine fortschreitende Erfüllung von Joh. 4, 21. Joh. 4, 23.
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About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
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