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Jeremia.
1) Vater der Hamutal, der Mutter des Königs Zedekia, Jer. 52, 1–2) Ein Rekabiter, Jer. 35, 3.
— 3) Der Prophet aus priesterlichem Geschlecht von Anathoth, Sohn eines Hilkija, aber schwerlich des 2Kön. 22, 4 erwähnten Hohepriesters. Gott hatte ihn, noch ehe er im Mutterleib bereitet war, zum Propheten erkoren, und noch als Jüngling wurde er zu diesem Amt berufen, Jer. 1, 4–10, nach Jer. 25, 3 im 13. Jahre Josias.
Seine unter Josia begonnene Wirksamkeit setzte er unter dessen Nachfolgern Joahas (oder Sallum Jer. 22, 11), Jojakim, Jojachin (Jer. 27, 20; Jer. 28, 4; Jer. 37, 1 Jechonja, Jer. 22, 24. Jer. 22, 28 Chonja genannt) und Zedekia fort und beschloss sie nach der Zerstörung der Stadt in Ägypten unter den dorthin ausgewanderten Juden nach 40–50-jähriger Dauer. Für die Zukunft waren ihm herrliche Heilsweissagungen verliehen, aber seiner Gegenwart musste er ein Unglücksprophet werden. Darum hat ihm auch der prophetische Beruf so viele Leiden wie kaum einem anderen Propheten bereitet.
Ein um der Wahrheit willen leidender Knecht Gottes kann er wohl als ein Vorbild auf Christus gelten, und Jer. 11, 19 redet er von sich mit einem an die Schilderung des Knechtes des Herrn in Jes. 53 erinnernden Ausdruck, doch hat sein Leiden keine sühnende Bedeutung und Kraft, sondern ist nur Märtyrerleiden.
Dass seine Hauptaufgabe Gerichtsverkündigung und seine Berufserfüllung ein schwerer Kampf sein werde, wurde ihm schon bei seiner Berufung gezeigt, Jer. 1, 11–16; Jer. 1, 17–19, obwohl die Verhältnisse damals Günstigeres versprachen; denn die bald nach seiner Berufung beginnende Reformation Josias schien einen Sieg der wahren Gottesverehrung über das heidnische Unwesen zu bedeuten und der damals sich vorbereitende Sturz des assyrischen Reiches befreite Juda von seinem mächtigsten äußeren Feinde. Aber Josias Reformation vermochte nur die Gestalt des Gottesdienstes, nicht die Herzen des Volkes zu ändern, „Juda bekehrte sich nicht von ganzem Herzen, sondern heuchelte“, Jer. 3, 10, und auch Jeremias Predigt vermochte keine Herzensumwandlung herbeizuführen, Jer. 25, 3f, und so mussten die Bemühungen des Königs und des Propheten durch ihre Erfolglosigkeit gerade die Unverbesserlichkeit des Volkes ins Licht stellen.
Einem solchen Volk konnte Gott zunächst nur ein Zorngericht ankündigen lassen, und dazu war Jeremia bestimmt. Wohl kann sich auch in dem Zeugnis des Jeremia die Gnade nicht verleugnen, in dem Ruf zur Buße und der Bereitwilligkeit zu verzeihen (vergleiche besonders Jer. 36, 2f), aber doch herrscht der Gedanke vor, dass für das Volk, das nicht Buße tut, das Gericht unabwendbar ist, und mit steigender Klarheit und Entschiedenheit verkündigt der Prophet dessen Unvermeidlichkeit (vergleiche besonders Jer. 37, 6–10). Schon in einem wahrscheinlich in den Anfang der Regierung Jojakims gehörenden Abschnitt findet sich daher das Gebot Gottes an den Propheten, er solle nicht mehr für dieses Volk bitten, Jer. 7, 16, das in der Folge wiederholt wird, Jer. 11, 14; Jer. 14, 11, vergleiche Jer. 15, 1.
Es war ein Leiden, das Jeremia mit Jesaja (vergleiche Jes. 6, 8ff) teilte, dass er die tiefe Verdorbenheit des sich verstockenden Volkes und die Erfolglosigkeit seines Wirkens sehen und das furchtbare Gottesgericht über sein Volk, als dessen Werkzeug ihm der König von Babel gezeigt worden war, klar vorausschauen musste (vergleiche Jer. 4, 19ff; Jer. 8, 18–22; Jer. 9, 1ff), aber es gesellten sich dazu noch viele andere bittere Leiden. Als einen lästigen Bußprediger und Unglückspropheten traf den von treuer Liebe gegen sein Volk erfüllten Mann die allgemeine Feindschaft, selbst die seiner nächsten Angehörigen, Jer. 15, 10. Jer. 15, 15–18; Jer. 17, 14–18. Mochte auch der Schutz Josias offene Feindseligkeit niederhalten, so brach dieselbe umso mehr unter dessen Nachfolgern hervor, von denen Jojakim, der Mörder des Propheten Uria, Jer. 26, 20ff, dem Jeremia geradezu feindlich gesinnt war. Nun folgte ein Anschlag gegen sein Leben auf den anderen, eine Misshandlung auf die andere, Jer. 11, 18ff; Jer. 18, 18–20; Jer. 20, 7–12. Kap. Jer. 26.
Eine unter Jojakim niedergeschriebene und öffentlich vorgelesene Sammlung seiner Weissagungen wurde vom König eigenhändig vernichtet, Kap. Jer. 36, aber durch eine neue, vermehrte Sammlung ersetzt, V. Jer. 36, 27–32. Doch musste sich Jeremia mit seinem Schreiber Baruch vor dem König verborgen halten, V. Jer. 36, 19. Jer. 36, 26. Hatte Jeremia schon früher den Einfluss falscher Propheten, die das unbußfertige Volk angeblich im Namen Jahwes mit Heilsverheißungen trösteten und in seinen Verirrungen bestärkten, bekämpfen müssen, Jer. 5, 30f; Jer. 6, 13f, so scheint sich das falsche Prophetentum in der letzten Zeit des jüdischen Staats noch mächtiger erhoben zu haben, sodass es zu heftigen Zusammenstößen Jeremias mit ihm kam. Jer. 23, 9ff; Jer. 27, 14ff; Kap. Jer. 28. Selbst gegen falsche Propheten unter den mit Jojachin nach Babel geführten Juden musste er auftreten, Jer. 29, 8f. Jer. 29, 20–23, wie denn andererseits einer von ihnen, Semaja, brieflich den hochgestellten Priester Zephanja zum Einschreiten gegen Jeremia aufforderte, V. Jer. 29, 24–32, aber ohne Erfolg.
Jeremia ging nach Jer. 37, 4 im Anfang der Regierung Zedekias frei ein und aus, bis ein Versuch, während einer Unterbrechung der Belagerung wegen eines Ackerkaufes die Stadt zu verlassen, die Beschuldigung veranlasste, er wolle zu den Chaldäern übergehen, und zu seiner Verhaftung führte, Jer. 37, 11–16. Seine harte Gefangenschaft wurde nach langer Zeit (V. Jer. 37, 16) auf seine Bitte vom König gemildert; er wurde nun im Vorhof des Gefängnisses gefangen gehalten, V. Jer. 37, 17–21. Als hernach die Fürsten, weil Jeremia fortfuhr, den Untergang der Stadt zu weissagen und denen, die sich den Chaldäern ergeben würden, Rettung des Lebens zu verheißen, die Tötung des Propheten verlangten, gab ihn der schwache König preis. Sie warfen ihn in eine schlammige Zisterne, in der er umgekommen wäre, wenn ihn nicht Ebed-Melech in Übereinstimmung mit dem König herausgezogen hätte, worauf er wieder im Vorhof des Gefängnisses in Gewahrsam blieb bis zur Einnahme der Stadt durch die Chaldäer, Kap. Jer. 38.
Zuerst mit anderen Gefangenen nach Rama geführt, wurde Jeremia auf Nebukadnezars Weisung hin von seinem Feldherrn Nebusaradan ehrenvoll behandelt und durfte wählen, ob er mit nach Babel ziehen oder im Lande bleiben wolle. Er entschied sich für das letztere und wohnte nun in Mizpa, dem Sitz des Statthalters Gedalja, Jer. 40, 1–6. (Der Bericht Jer. 39, 1–14 fasst nur das schließliche Ergebnis für den Propheten kurz zusammen.) Als nach dessen Ermordung das im Land gebliebene Volk gegen den von Jeremia bezeugten Willen Gottes nach Ägypten auswanderte, Kap. Jer. 42. Jer. 43, fuhr Jeremia auch dort noch fort, sein Wächter- und Strafamt zu üben, aber ohne Erfolg, Jer. 43, 8–13; Jer. 44. Wahrscheinlich ist er in Ägypten gestorben, nach einer Sage vom Volk gesteinigt.
In seinem Leben von seinem Volk mit Schmach und Leiden überhäuft, wurde er nach seinem Tod, nachdem die Geschichte die Wahrheit seiner Weissagungen glänzend bewahrt hatte, wie kaum ein anderer Prophet verehrt und durch die Sage verherrlicht (vergleiche 2Makk. 2, 1ff; 2Makk. 15, 13ff). Aus dem bei den Juden sich bildenden Glauben an seine Wiederkunft ist Matth. 16, 14 zu verstehen. Trotz ihrer scheinbaren Erfolglosigkeit hat seine Wirksamkeit doch gewiss, wie die Hesekiels, viel zur Erhaltung eines dem Jahwe treuen Restes unter dem abtrünnigen Volk und damit überhaupt zur Erhaltung eines Volkes Gottes auch in der Gefangenschaft beigetragen. Welche Bedeutung seine Weissagungen schon für die Verbannten gewannen, erhellt aus Dan. 9, 2, und für ihr Ansehen zeugt 2Chr. 36, 21 und Esr. 1, 1.
— Mit innerem Widerstreben und seiner Untüchtigkeit sich bewusst, nur aus Gehorsam, hatte Jeremia dem Ruf Gottes Folge geleistet, Jer. 1, 4ff, der ihm eine seiner natürlichen Neigung widerstrebende Aufgabe stellte; denn als Mann von weichem Gemüt, der die Leiden seines Volkes mittrug, hatte er keine Freude am Gerichtpredigen und Dräuen. Aber in der völligen Hingabe an den ihm von Gott gewordenen Beruf, zu der er sich jedoch nicht ohne heftige innere Kämpfe durchringen konnte, fand der gegenüber solchem Beruf von Natur zaghafte Mann eine wunderbare unerschütterliche Stärke. Sein Gewissen war in Gottes Wort und Willen gebunden, darin lag seine Unüberwindlichkeit.
Manchmal wollte ihn das Übermaß der Leiden seines Berufs, verbunden mit dem Jammer über seines Volkes Verdorbenheit und Verderben erdrücken, Jer. 8, 18–22; Jer. 9, 1ff, dass er wünschte, nie geboren zu sein, Jer. 15, 10; ja Jer. 20, 14–18 bricht er in eine grauenvolle Selbstverfluchung aus, welche an die Hiobs, Hiob 3, erinnert. Des erfolglosen, ihm nur Leid bereitenden Predigens müde, hätte er lieber geschwiegen, Jer. 20, 9f, aber er vermochte dem Drang des göttlichen Geistes nicht zu widerstehen, er musste reden was Gott ihm vertraut hatte, V. Jer. 20, 7. Jer. 20, 9, und die Gewissheit seines göttlichen Berufs mit dem Bewusstsein, dass er sich demselben willig hingegeben. Jer. 17, 16, gab ihm die Glaubenskraft, alles zu leiden um Gottes willen und alles zu hoffen von Gott, dem er angehörte und dem er treu gedient hatte, Jer. 12, 3; Jer. 15, 15–18. Und wie der Herr ihm schon bei der Berufung seinen mächtigen Beistand verheißen hatte, Jer. 1, 17–19, so stärkte er ihn auch fernerhin, Jer. 15, 19–21, und ließ ihn seiner Nähe gewiss werden, Jer. 20, 11.
So steht Jeremia da nicht von Natur, aber in Gottes Kraft eine „eiserne Säule und eherne Mauer wider die Könige Judas, wider ihre Fürsten, wider ihre Priester, wider das Volk im Lande“.
— Das Buch Jeremia ist kein Werk aus einem Guss. Nach Kap. Jer. 36, 1f erfolgte ja eine (vielleicht die erste) Aufzeichnung seiner Weissagungen schon im 4., beziehungsweise — vergleiche V. Jer. 36, 9, Jer. 36, 27–32 — im 5. Jahre Jojakims, während das Buch in seiner jetzigen Gestalt viele spätere Stücke enthält. Auch Kap. Jer. 30. Jer. 31 bildeten nach Jer. 30, 1–3 zuerst eine Schrift für sich. Als das Buch die Überschrift, Jer. 1, 1–3, erhielt, werden die Stücke aus der Zeit nach der Zerstörung Jerusalems noch nicht dazu gehört haben. Das Buch entstand ohne Zweifel durch Zusammenfügung mehrerer zuerst selbständiger Schriften und erfuhr hernach noch Erweiterungen durch angefügte und durch zwischeneingeschobene Stücke. In der Anordnung überwiegt der sachliche Gesichtspunkt den zeitlichen weit, wiewohl dieser in dem geschichtlichen Abschnitt Kap. Jer. 36–44, und wie es scheint, in den ersten Abschnitten des Buches mitbestimmend ist; wenigstens schließt sich an den Abschnitt aus Josias Zeit. Jer. 3, 6–6, 30, in Kap. Jer. 7–10 ein wahrscheinlich der ersten Zeit Jojakims angehörender.
Deutliche Beispiele für die Gruppierung nach dem sachlichen Gesichtspunkt bieten Kap. Jer. 22 und Jer. 30–33. Abgesehen von dem Eingang Kap. Jer. 1 und dem Anhang Kap. Jer. 52, zerfällt das Buch seinem Inhalt nach in zwei Hauptteile: I. Kap. Jer. 2–45. Weissagungen und Geschichten, die sich auf das Volk des Herrn beziehen, II. Kap. Jer. 46–51, Weissagungen über heidnische Völker. Teil I enthält a) Reden, in die auch Geschichtliches eingeflochten ist, Kap. Jer. 2–35, b) Geschichtliches über den Propheten und das Volk vor, bei und nach der Zerstörung der Stadt; mit eingefügten Reden des Propheten.
In den Reden von I. a) findet ein Fortschritt von allgemeiner gehaltenen zu bestimmteren, konkreteren Weissagungen statt. Insbesondere tritt der Gedanke von der Unabwendbarkeit des Gerichts immer klarer und bestimmter auf. So lassen besonders die unter Zedekia gesprochenen Weissagungen keine Möglichkeit mehr, dass die Zerstörung von der Stadt abgewendet werden könnte, vergleiche Jer. 21, 1–7; Jer. 24, 8–10; Jer. 27, 12–22; Jer. 29, 16–19; Jer. 32, 1–5. Jer. 32, 26–30. Die einzige Verheißung, die Jeremia für Zedekia hat, ist die einer Milderung seines Loses, wenn er sich den Chaldäern ergebe. Aber der Bestimmtheit der Gerichtsdrohung entspricht auch die der Heilsweissagungen, unter denen durch die Bestimmtheit der Vorhersagung und die Genauigkeit der Erfüllung die merkwürdigste, die von der 70-jährigen Dauer der Gefangenschaft ist, Jer. 25, 11f; Jer. 29, 10. Die inhaltlich bedeutendsten Heilsweissagungen finden sich in der Gruppe Kap. Jer. 30–33; Jer. 31, 31–34; Jer. 32, 37ff, von dem neuen Bund und Jer. 32, 15f, vergleiche Jer. 23, 5f.
Bemerkenswert für die Gewissheit der Erfüllung der Weissagung ist der dem Propheten Kap. Jer. 32 angesichts der bevorstehenden Zerstörung der Stadt gebotene Ackerkauf, denn „noch soll man Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Lande“, V. Jer. 32, 15, weil nämlich Gott sein Volk wiederbringen wird, V. Jer. 32, 37. Weitere Heilsweissagungen s. Jer. 3, 15–19; Jer. 16, 14f; Jer. 27, 21f; Jer. 29, 10–14. Die Weissagungen des II. Teils über die heidnischen Völker sind eine weitere Ausführung der großartigen Weissagung Jer. 25, 15ff, in der den Völkern der heidnischen Welt von dem Propheten der Zornbecher Jahwes gereicht wird; übrigens fehlt es in ihnen nicht an Hinweisen auf ein auch diesen heidnischen Völkern noch beschiedenes Heil, vergleiche Jer. 46, 26; Jer. 48, 47; Jer. 49, 39, wie sich denn auch schon unter den Reden über Israel einzelne Heilsverkündigungen für die Heiden finden, Jer. 12, 14–17; Jer. 16, 19.
Hervorzuheben ist die lange Rede von dem Fall Babels. Kap. Jer. 50; Jer. 51. Dadurch, dass das Buch oft die eigenen Empfindungen des Propheten ausspricht, lässt es uns wie kein anderes in das Geistesleben eines Propheten, insbesondere in den Unterschied und Gegensatz zwischen dem dem Propheten gegebenen Offenbarungsinhalt und seinen eigenen Gedanken und Empfindungen hineinschauen, und ist so besonders wertvoll für die Erkenntnis des Wesens der Prophetie, eine Erkenntnis, welche auch aus dem dem Buch hervortretenden Gegensatz von wahrem und falschem Prophetentum manchen Gewinn zieht.
— Obwohl das Buch in Gedanken und Ausdruck eine gewisse Einförmigkeit und Breite zeigt — denn es spiegelt sich darin die praktische Tätigkeit des Propheten, der unermüdlich seinem Volk immer dieselben Mahnungen, Warnungen und Drohungen zurufen musste — so zeigt die Sprache doch auch wieder große Kraft und Schönheit, oft eine ergreifende Macht; man vergleiche zum Beispiel auf der einen Seite das gewaltige Wort Jer. 23, 29, auf der anderen das herzergreifende Zeugnis von der göttlichen Erbarmung, Jer. 31, 20. Durch die sehr häufige Benutzung älterer Schriften des Alten Testaments legt es Zeugnis ab für die bei aller Vielgeteiltheit und Mannigfaltigkeit der Zeugnisse (Hebr. 1, 1) doch vorhandene Einheit der göttlichen Offenbarung.
— Durch eine alte, schon in der griechischen Übersetzung der Siebzig sich findende Überlieferung werden dem Jeremia auch die in der hebräischen Bibel den Verfasser nicht angehenden Klagelieder zugeschrieben. Sie zeigen Jeremias Geist, erinnern in ihrer Sprache trotz mancher Eigentümlichkeiten auch wieder an die Sprache des Weissagungsbuches und sind jedenfalls kurz nach der Zerstörung der Stadt entstanden, sodass die Annahme ihres Ursprungs von dem Propheten, wenn auch nicht sicher, so doch in gutem Recht ist. Das Buch enthält 5 Lieder der Klage über die Zerstörung Jerusalems, in denen sich der Prophet zum Teil mit seinen Volksgenossen zusammenfasst und in ihrem Namen redet.
In den zwei ersten Liedern, Kap. Kla. 1 und Kla. 2, ergießt sich die Klage ohne Hoffnung, aber mit bußfertiger Anerkennung der Sündenschuld, die das Gericht herbeiführen musste, vergleiche Kla. 1, 14. Kla. 1, 18. Kla. 1, 20; Kla. 2, 14; das zweite hebt besonders hervor, dass der Herr das Verderben herbeigeführt hat. Im dritten Lied, Kap. Kla. 3 — einem der herrlichsten Zeugnisse von der Kraft bußfertigen Glaubens — ringt sich der Prophet aus der Anfechtung im Glauben heraus zur Hoffnung auf Gott, bei tiefster Beugung unter das gerechte Gericht Gottes. Besonders das vierte Lied, Kap. Kla. 4, zeichnet sich aus durch die rückhaltlose Anerkennung der Schuld des Volkes, vergleiche V. Kla. 4, 6. Kla. 4, 13f, und durch den prophetischen Ausblick auf eine künftige Wendung des Unglücks Judas am Schluss, V. Kla. 4, 21f. Das fünfte, Kap. Kla. 5, ist ein aus dem Herzen der Gemeinde gesprochenes Gebet voll Schmerz, aber nicht ohne Fassung und Hoffnung.
Th. Öhler.
Abb. 165. Das jetzige Jericho.
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